Friday, January 13, 2006

Essay 2


Diskutiere die wichtigsten Aussagen der Werke „die Gabe“ von Marcel Mauss und „Rites de Passage“ von Arnold Van Gennep. Wie sind die beiden Autoren im kontinuum ausgehend von Durkheim´schen Werk bis zu Strukturalismus einzuordnen


Begriffsklärung:


Alle drei Autoren lebten ungefähr zur gleichen Zeit, und waren „armchair“ Anthropologen, wobei Marcel Mauss der Letzte seines Faches war. Die meisten damaligen Anthropologen waren Kritiker des Kolonialsystems. Das Kolonialsystem hat aber auch dazu beigetragen für die Gründung des Faches und der Wissenschaft wie zu Beispiel in Großbritanien. Die Begründer der französischen Anthropologie (Durkheim) haben sich schnellstens vom Kolonialapparat distanziert. Diese Wiedersprüchlichkeit zwischen Kolonialinteressen und unabhängiger wissenschaftlicher ethnologischer Arbeit prägen die Zeit um die Wende ins 20 Jhrdt.[1] Aber auch der Evolutionismus prägte um die Jahrhundertwende das Denken und Handeln vieler Wissenschaftler in der Anthropologie. Besonders deutlich wird es bei Arnold Van Gennep der auch das Vokabular dieser Zeit in sein Werk „Les rites de passage“ einfließen. So bezeichnete er die damaligen Indigenen als „Wilde“ bzw. „Halbzivilisierte“ Durkheim hingegen kritisierte den Evolutionismus aufs heftigste und prägte mit seiner soziologischen Perspektieve die Interlektuellen dieser Zeit[2] Indem Arnold Van Gennep Strukturen in Ritualen darstellt beeinflusst er auch den Strukuralismus.

David Emil Durkheim 1858-1917

Geboren ist er in Frankreich, gestorben in Paris. Er war ein franzosischer Soziologe und gild als einer der Begründer der Soziologie als empirischer Wissenschaft mit eigenständiger Methode. Er gild auch als Gründervater der Sozialanthropologie in Westeuropa
Er wurde Professor für Pädagogig und Soziologie in Bordeaux. Marcel Mauss war Schüler von Dürkheim. Sein bekanntestes Werk ist „Le suicid“( Der Selbstmord). Andere bedeutende Werke sind „De la division du travail social“( Über die Teilung der sozialen Arbeit) und „Les formes elementaires de la vie religieuse“( Die elementaren Formen des religiösen Lebens). Er prägte insbesonderse zwei große Theorien der Anthropologie/Soziologie: Den britischen Funktionalismus und den französischen Strukturalismus[3] eine wichtige Feststellung von Durkheim war, dass in nichtindustriellen Gesellschaften nicht die Arbeitsteilung braucht um den Zusammenhalt herzustellen, sondern Religion und Ritual. In seiner Theorie der Kohäsion liegt das Hauptinteresse Durkheims. Auf die Fragestellung „Warum leben Menschen in Gesellschaft? Wie hält eine Gesellschaft zusammen? Washalb bricht eine Gesellschaft nicht auseinander? Stabilität?“ entwickelt er zwei Begriffe, die „Mechanische Solidarität“ und die „ Organische Solidarität“. Die „Mechanische Solidarität“ haben primitive Gesellschaften zu eigen und die „Organische Solidarität“ hochkomplexe Gesellschaften, wobei die Erstere als „Zusammengehörigkeit sozialer Gruppen und Individuen aufgrund gemeinsamer Überzeugung einer verbindlichen, von allen geteilten Eigenidentität“ definiert wird, und die „Organische Solidarität“ als „ Gesellschaftsmodell mit grosser Anerkennung und Bedeutung der Zwecksrationalität, dabei ist die Realisierung von Zielen wichtig“[1]. Dabei gild, dass keiner ohne den Anderen sein kann. Er setzt sich auch damit auseinader wie eine Masse an Individuen eine Gesellschaft wird oder wie soziale Ordnung hergestellt wird [7]. Die Beantwortung dieser Frage liegt in der Arbeitsteilung, was in diesem Eassy nicht behandelt werden kann. Durkheim sagt, das was die Gruppen zusammenhält ist Religion. Marcel Mauss hingegen sagt nicht nur Religion hält die Gruppe zusammen, sondern auch Soziale Banden.[4] Als Nächsters soll versucht werden anhand des Werkes von Marcel Mauss „Die Gabe“ und Arnold Van Gennep „ Übergangsriten“ dies näher zu beleuchtet.

Marcel Mauss: Die Gabe

Er lebte von 1872 bis 1950 und war Neffe von Durkheim und wohl auch dessen hervorragendster Schüler. Er war viel stärkere empirisch orientiert als Emil Durkheim und versuchte, soziale Phänomene in ihrer Totalität zu sehen und zu verstehen. Außerdem war er mit Emil Durkheim Herausgeber der Zeitschrift L'Annee sociologique und hatte einen Lehrstuhl am College de France in Paris. Zusammen mit Paul River gründete er das Institut d'Ethnologie in Paris. Wichtigsten Schüler von ihm waren Louis Dumont und Claude Levi Strauss. Macel Mauss zeigt in seinem Essay „die Gabe“ was die eigendliche Natur und fundamentale Bedeutung der Institutionen wie des Potlatsch und des Kula ist.

Der Potlatsch:( vor allem der polynesische Potlatsch)

Zuerst sind mal zwei wichtige Begriff zu klären taonga und hau. Unter taonga verstehen die Maoris einen bestimmten Gegenstand. Wenn ich diesen Gegenstand den ich bekommen habe einen Dritten gebe und der mir dafür einen anderen Gegenstand gibt, dann hat der Geist des ersten Gegenstand dazu geführt dass ich diesen Gegenstand bekommen habe. Dieser Geist wird als hau bezeichnet. Den Gegenstand den ich vom Dritten bekommen habe muss ich der ersten Person geben. Da es nicht recht ist den Gegenstand den ich durch das hau bekommen habe zu behalten. Wenn ich dieses zweite taonga für mich behalten würde, könnte mir Böses daraus entstehen, ganz bestimmt sogar der Tod(so glauben die Maoris) Dies habe ich geschrieben um zu veranschaulichen was die Triebfeder des Potlatsch ist. Es gibt drei elemente der Gabe- die Verpflichtung des Gebens, des Nehmens und des Erwiderrns. Ein Häuptling kann seine Autorität über den Stamm, über sein Dorf, ja über seine Familie, seinen Rang unter den Häuptlingen innerhalb und außerhalb seiner Nation nur dann aufrecht halten, wen er beweisen kann, dass er von den Geistern begünstigt wird, dass er Glück und Reichtum besitzt. Seinen Reichtum kann er nur dadurch beweisen, dass er ihn ausgibt, verteilt und damit die anderen demütigt. Sich des Gebens oder Nehmens zu enthalten, ebenso sich des Erwiderns zu enthalten bedeutet einen Verlust an Würde. Ebenso wenn die Person die Gabe beim Potlatsch nicht zurückzahlen kann verliert er den Rang und sogar den Status eines freien Mannes. In den gesellschaften wo Potlatsch betrieben wird herrscht eine enorme Umverteilung an Güter. Der Hauptling kann Reichtümer horten, die er dann inform eines Verdienstfest an seine Untertanen weiter gibt. Dadurch sichert er seine Stellung im Clan.[5]
An Potlatsch wird deutlich was die Mechanismen sind die eine Gesellschaft zusammenhält. Es wird auch deutlich dass der Glaube an hau, das einen religiosen Charakter hat, die die Ursache dafür ist warum man auf eine Gabe eine Gegengabe erwiedern muss. Die führt dazu dass die soziale Stellung der Person die am Geben und Nehmen beteiligt ist gefestigt wird oder durch den Umfang der erwiederten Gabe seine Stellung in der „Gesellschaft“ behauptet. Das ganze System des Gebens , Nehmen und Erwiedern, welche auch als Reziprozität bezeichnet wird, stärkt den zusammenhalt des Einzelnen in der Gruppe. Dadurch entsteht ein in sich geschlossenes funktionierentes System, das mit unserem wirtschaftlichen System nicht zu vergleichen ist.

Arnold Van Gennep (Les rites de passage-Ubergangsriten)

Er lebte von 1873 bis 1957 und wurden wegen seiner Kritik an Durkheim von diesem und seinen Anhängern angefeindet und ignoriert und mußte deshalb ein wissenschaftliches Leben außerhalb der französischen Universitätshierachie führen. Er verdiente seinen Lebensunterhalt überwiegend als freier Übersetzer und Journalist. Nach den Übergangsriten befaßte er sich vor allem mit der Theorie der Volkserzählung und dem Problem der Sagenbildung.
In seinem Buch der Ubergangsriten stellt er eine Kategorie der Übergangsriten auf. Diese besteht aus Trennungsriten, Schwell- bzw. Umwandlungsriten und Angliederungsriten. Analog dazu Trennungsphase, Ubergangsphase welche auch als Laminalität( man befindet sich weder in der Trennungsphase noch in der Wiedereingliederungsphase) bezeichnet wird und Wiedereingliederungsphase.[7] Das Leben eines Menschen besteht aus einer Folge von Etappen, deren End- und Anfagsphasen einander ähnlich sind: Geburt, soziale Pubertät, Elternschaft, Aufstieg in eine höhere Klasse, Tätigkeitsspezialisierung. Zu jedem dieser Ereignisse gehören Zeremonien, deren Ziel identisch ist nämlich, das Individuum aus einer genau definierten Situation in eine andere, ebenso genau definierten hinüberzuführen. Das Individuum verändert sich von einer Phase in die Nächste.
Auch beim Potlatsch der dadurch gekennzeichnet ist, dass der Untertane den Herrscher Geschenke gibt, um diese dann wieder aufzuteilen. Es entsteht daher eine Bindung die durch ein Trennungsritus wieder aufgehoben werden kann.Trennungsriten kommen vor allem bei Bestattungs- Angliederungriten und Hochzeitszeremonienvor. Umwandlungsriten können bei Schwangerschaft, Verlobung und Initiation eine wichtige Rolle spielen. Bei der Angliederungsriten ist die Integrationphase zu nennen.Daher die Integration von eine Position in der „Gesellschaft“ in die nächste.[6]
Rituale sind universell[4] also in allen Gesellschaften in unteschiedlichster Ausprägung zu finden.Riten haben die Aufgabe mögliche Störungen in der Sozialordnung abzuschwächen[6] In einem Ritual bekommt das Individuum eine besondere Bedeutung. Es bekommt die Aufmerksamkeit aller Gruppenmitglieder.Die Zusammengehörigkeit zu den einzelnen Personen wird dadurch gefestigt. Das Individuum ist ein Teil des Ganzen und wird immer neu, durch Rituale symbolisiert, in die „Gesellschaft“ neu aufgenommen. Dadurch wird auch deutlich, dass Ritual den zusammenhalt der Gruppe festigt.

Konklusion:

Ob Durkheim, Mauss oder Van Gennep, alle drei waren großartige Köpfe die die Kultur-und Sozialanthropologie mit ihren Werken stark beeinflussen. Mit den Werke „die Gabe“ oder „Übergangsriten“ haben sie etwas geschaffen, womit wir Studenten der Kultur- und Sozialanthropologie sehr gut zurechtkommen obwohl sie nur „armchair“ Anthropologen waren. Alle drei hatten einen ausgeprochen guten Sinn für kulturelle Zusammenhänge, anders kann ich mir es nicht erklären wie Anthropologen dieser Zeit ohne Feldforschung so großartige Werke schaffen konnten.

Anhang:

[1] http://66.249.93.104/search?q=cache:HRXUC9jDyxsJ:www.lernrausch.ch/upl/sozialwissenschaft sgeschichte/gso.brit_sozantr_zus.afr.pdf+Was+hat+Durkheim+mit+Strukturalismus+zu+tun&hl=de
02.01.06

[2] http://66.249.93.104/search?q=cache:CAj1qibUOLoJ:www.unet.univie.ac.at/~a9703131/Skripten/Finale%2520Mitschrift.doc+Was+hat+Durkheim+mit+Strukturalismus+zu+tun&hl=de 02.01.06

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Emile_Durkheim

[4]vgl. Vorlesung, Eingführung in die Geschichte der Kultur-und Sozialanthropologie,von Prof. Gingrich WS/2006


[5] Mauss. Marcel 1990 die Gabe, Frankfurt am Main, Suhrkamp


[6] Van Gennep, Arnold 1999,Übergangsriten, Frankfurt/New York, Campus Verlag

[7] vgl. Tutorium für Einführung in die Geschichte der Kultur-und Sozialanthropologie WS/05,06, Wien